Während die USA und China mit Billionen-Investitionen die Landkarten der Zukunft neu zeichnen, pflegt Deutschland sein liebstes Dogma: die fiskalische Sparsamkeit. Was, wenn diese vermeintliche Stärke längst zur strukturellen Schwäche geworden ist?
Deutschland behandelt seinen Haushalt wie eine Kostenstelle – nicht wie ein strategisches Instrument.
Die auf Bundesebene praktizierte Kameralistik unterscheidet nicht zwischen einem Euro für laufende Betriebskosten und einem Euro für Glasfaserausbau. Ohne Vermögensbilanz bleibt die tatsächliche Lage des Staates verschleiert. Was als fiskalische Verantwortung gefeiert wird, ist in Wahrheit institutionalisierte Kurzsichtigkeit.
97,7 Milliarden Euro an Pensionsverpflichtungen stehen nur 4,7 Milliarden Euro an Rückstellungen gegenüber. Das ist keine Stabilität – das ist ein unkontrollierter Mittelabfluss ohne Vermögensaufbau.
Quelle: Flossbach von Storch Research InstituteDas fiskalische Paradoxon: Sparen heute erzeugt die unbezahlbaren Rechnungen von morgen. Hier sind die Lücken, die wir nicht sehen wollen.
„Deutschland verteidigt keine Stabilität – es konserviert strukturelle Schwäche."
Was wäre, wenn der Staat nicht Verwalter der Knappheit wäre – sondern Architekt des Wohlstands?
Eine neue Logik für staatliche Ausgaben. Warum behandeln wir jeden Euro gleich, obwohl ihre Wirkungen fundamental unterschiedlich sind?
Ausgaben ohne langfristigen Produktivitäts- oder Rückfluss-Effekt.
Sicherung bestehender Leistungsfähigkeit – verhindert Verfall produktiver Kapazitäten.
Ausgaben mit mittel- bis langfristigem ökonomischem oder strategischem Return.
Der Staat wird selbst unternehmerisch tätig und baut neue Einnahmequellen auf.
Die Einführung der Doppik auf Bundesebene wäre der erste Schritt: Eine öffentliche Vermögensbilanz, die den Staat nicht als Kostenstelle, sondern als Vermögensarchitekten begreift.
Der investierende Staat funktioniert – wenn die Governance stimmt. Klick auf die Markierungen und entdecke, wie andere Länder öffentliches Kapital strategisch einsetzen.
Die Lehre aus diesen Modellen ist eindeutig: Ihr Erfolg basiert nicht primär auf mehr Geld, sondern auf besseren institutionellen Strukturen – professionell, unabhängig und mit klarem Mandat.
Quellen: KfW, Temasek Annual Report, Dag Detter "The Public Wealth of Cities"Die eigentliche fiskalische Verantwortung im 21. Jahrhundert ist nicht das kurzfristige Sparen, sondern das kluge, mutige Investieren in die Grundlagen zukünftigen Wohlstands.
„Die deutsche Fiskalpolitik verharrt in einem Denkmuster des 20. Jahrhunderts, während die globalen Herausforderungen ein neues strategisches Betriebssystem erfordern."
Der Staat als Vermögensarchitekt – nicht als Kostenstelle. Das ist keine Utopie. Das ist eine Frage des institutionellen Designs, des politischen Willens und einer neuen Definition staatlicher Verantwortung.